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TU Berlin

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Geschichtswerkstatt

Die Geschichtswerkstatt des Instituts für Architektur wurde im Jahr 2017 von den Fachgebieten Architekturtheorie (Prof. Dr. Jörg H. Gleiter), Bau- und Stadtbaugeschichte (Prof. Dr. Hermann Schlimme) und Historische Bauforschung und Baudenkmalpflege (Prof. Dr. Thekla Schulz-Brize) gegründet. Die Geschichtswerkstatt versucht die kritische Aufarbeitung der wechselvollen Geschichte des Instituts für Architektur. Die Motivation ist, dass ohne Kenntnis der Vergangenheit die Beantwortung der Fragen der Zukunft nicht möglich ist. Das Verständnis der Geschichte und die Möglichkeit zu ihrer kritischen Rekonstruktion sind Voraussetzung für Souveränität und Selbstbestimmung unserer Institution und unserer Studierenden und Lehrenden.

Zusammen mit den Studierenden der Architektur möchte die Geschichtswerkstatt einen Beitrag zum besseren Verständnis der Geschichte nicht nur des Instituts für Architektur, sondern auch der Technischen Universität Berlin leisten. Als Teil der TU Berlin hat das Institut für Architektur eine lange Tradition. Sie geht bis auf die Gründung der preußischen Bauakademie 1799 zurück. Damit ist das Institut für Architektur die älteste Architekturfakultät Deutschlands. Aus der Bauakademie wurde 1879 die Königliche Technische Hochschule zu Berlin, die 1946 als Technische Universität Berlin neu gegründet wurde.

Die Gründung der Bauakademie stellt den eigentlichen Gründungsakt der TU Berlin dar. Es ist die Architektur, auf der alles aufbaut. So gehen die meisten der heutigen Fachgebiete der Universität auf die Architektur als die Mutter der Künste zurück, was alle Künste und damit auch Technik und Naturwissenschaften einschließt. Die Architektur ist die im eigentlichen Sinne enzyklopädische Kunst. Oft ist nicht bewusst, dass gerade die exakten Wissenschaften ihre Modelle für Ordnung und System den Vorstellungen von Klarheit in den Künsten, aus denen sie sich herausentwickeln, verdanken.

 Seit der Gründung der Bauakademie hat sich das Institut für Architektur und seine Vorgängerinstitutionen unter den jeweiligen kulturellen und politischen Einflüssen vielfältig verändert. Zu den Einflüssen gehören die Neuordnung Preußens nach den napoleonischen Kriegen 1815 wie auch die Gründung des zweiten deutschen Kaiserreichs 1871, die Ausrufung der Republik 1918, die Gesetze zur Gleichschaltung 1933, der Neuanfang 1946 unter der britischen Militärverwaltung, die Studentenunruhen 1968, der Fall der Mauer 1989 und die Entscheidung für Berlin als Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschlands. All dies hatte vielfältigen Einfluss auf die Ausbildungsmodelle, die Besetzung der Lehrstühle und die Forschungsinhalte des Instituts für Architektur.

Im Zentrum der Arbeit der Geschichtswerkstatt stehen die ehemaligen Studierenden und Lehrenden des Instituts für Architektur und seiner Vorgängerinstitutionen. Neben vielen anderen gehören dazu Persönlichkeiten wie David und Friedrich Gilly, Karl Friedrich Schinkel – erst Schüler, später Direktor der Bauakademie –, aber auch Hans Poelzig, Heinrich Tessenow, Hans Scharoun, Otto Königsberger, Bernhard Hermkes, Hinrich Baller, Julius Posener und Oswald Mathias Ungers. Die Geschichtswerkstatt wird sich aber auch mit den weniger ruhmvollen Zeiten beschäftigen wie mit dem nationalkonservativen Chauvinismus und Imperialismus im Kaiserreich, mit der Rolle der Professorenschaft im 1. Weltkrieg wie auch mit der Zeit der NS-Diktatur. Wie wir wissen, war Albert Speer an der TU Berlin Assistent von Heinrich Tessenow. Das wirft viele Fragen auf, auch die nach der Geschichte und dem persönlichen Lebensweg der jüdischen Studierenden und Absolventen, die ab 1933 aus der Hochschule und zur Emigration gedrängt, verfolgt und ermordet wurden. Ein wichtiges Forschungsfeld wird auch die neuere Geschichte nach der Neugründung der TU Berlin 1946 sein, was die Studentenproteste und -streiks 1968 oder 1988 wie auch die Brüche und die damit ausgelösten Diskontinuitäten einschließt. Diese wirken bis heute unterschwellig, aber mit keineswegs zu vernachlässigender Energie im Institut der Architektur nach. 

Schritt für Schritt möchte sich die Geschichtswerkstatt ein kritisches Bild von der wechselvollen Geschichte des Instituts für Architektur machen. Die Arbeitsformen dafür sind Seminare und Lehrforschungsprojekte, aber auch Bachelor- und Masterarbeiten. Es sind die Studierenden, die die Arbeit der Geschichtswerkstatt leisten. Die Geschichtswerkstatt bietet ihnen die Möglichkeiten, sich einerseits unter Anleitung mit dem wissenschaftlichen Arbeiten auf den Gebieten der Theorie, Geschichte und Bauforschung vertraut zu machen. Andererseits können sie durch die Konzeption von Ausstellungen, Publikationen und Internetauftritten ihre gestalterischen Fähigkeiten erweitern.

Die Ergebnisse der Geschichtswerkstatt werden über diverse Medien wie Vorträge, Podiumsdiskussionen, Ausstellungen, Bücher und Websites allen Studierenden und Mitarbeitern des Instituts für Architektur zugänglich gemacht. Wir verbinden damit die Hoffnung, den Grad der Identifikation der Studierenden mit der akademischen Institution zu stärken, in der sie entscheidende Jahre ihrer persönlichen Entwicklung verbringen. Die Arbeit der Geschichtswerkstatt soll aber auch nach innen wirken, profilbildend sein und einen Beitrag zur Identität des Instituts leisten. Sie will zur größeren Souveränität des Instituts für Architektur über die eigene Entwicklung beitragen. Es bedarf dazu der Überwindung der historischen Gleichgültigkeit, was so viel bedeutet, wie die Emanzipation der akademischen Lehre und Forschung aus den Zwängen einer zunehmend durchökonomisierten, instrumentellen Vernunft.

 

Geschichtswerkstatt - Band 1 - Bernard Hermkes

Geschichtwerkstatt - Band 2 - Schinkel, Poelzig, Koldewey

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