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TU Berlin

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Forschungsprofil

Prof. Dr.-Ing. habil. Jörg H. Gleiter, Fachgebiet Architekturtheorie, 
Institut für Architektur (IfA), TU Berlin

Forschungsprofil des Fachgebiets Architekturtheorie

Das Forschungsgebiet des Fachgebiets Architekturtheorie ist die kritische Erkenntnistheorie der Architektur. Die Architektur ist heute mit der Tatsache konfrontiert, dass die digitale Technologien zunehmend in die bisher analogen Wissenspraktiken der Architektur eingreifen und diese von innen heraus nach ihrem eigenen Maß verändern. Um dieses in den Fokus zu nehmen, muss die Architekturtheorie ihren Ansatz erweitern und die kritische Theorie der Architektur, wie sie sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts herausgebildet hatte, zu einer kritischen Erkenntnistheorie der Architektur weiterentwickeln.

 1 Theorie der Architektur Architekturtheorie muss von der einfachen Tatsache ausgehen, dass es keine Architektur ohne Theorie gibt, so unbewusst diese auch sein mag. Die Praxis der Architektur ist immer geprägt durch Modelle des Urteilens und Handelns. Dem liegt die Beobachtung zugrunde, dass Menschen immer ähnlichen und vorhersehbaren Verhaltensweisen folgen, wie auch der oder die Architekt/in sich oft dabei beobachten können, wie er oder sie immer wieder ähnliche Figuren auf das Zeichenpapier skizzieren. Das ist Anzeichen dafür, dass ihr Tun immer schon von theoretischen Modellen vorgeprägt und von Werturteilen unbewusst geleitet ist. Geschieht dieses bewusst, so spricht man vom „Individualstil“.

Daraus kann die Feststellung abgeleitet werden, dass es keine vor-theoretische Architektur gibt. Die Aufgabe der Architekturtheorie ist es dann, diese impliziten Modelle des Denkens und der Praxis ans Licht zu bringen, sie explizit, unterscheidbar und analysierbar zu machen mit dem Ziel, daraus neue Modelle des Denkens der Architektur zu entwickeln, die den aktuellen, sich verändernden kulturellen Kontext reflektieren und in sich aufnehmen. Es kann daher festgehalten werden: 1. Theorie arbeitet immer innerhalb und aus der Architektur, 2. Theorie stellt immer andere Theorie infrage, und 3. Theorie ist nur als kritische Theorie der Architektur denkbar.

2 Forschungsmethode Methodisch bedient sich die kritische Erkenntnistheorie dreier Analyseverfahren: Kritische Theorie, Post-Strukturalismus und Erkenntnistheorie. Die Kritische Theorie zielt dabei auf das Sichtbarmachen der dialektischen Widersprüche innerhalb der Architektur. Die poststrukturalistischen Verfahren haben das Ziel, die Hierarchien innerhalb der Architektur in Frage zu stellen und die unterdrückten Themen und Praktiken erkennbar zu machen. Die erkenntnistheoretischen Methoden zielen dagegen auf die zwischen den einzelnen Elementen wirkende Relationenlogik. Die Architektur trennt analytisch die drei Ebenen aber nur, um sie am Ende zu einem komplexen Gesamtbild zusammenzuführen.

Darüber hinaus muss für die kritische Erkenntnistheorie der Architektur festgestellt werden, dass das Wissen der Architektur keineswegs nur begrifflich vorliegt, sondern darüber hinaus von performativen und sinnlichen Elementen geprägt ist. Das Wissen der Architektur kann klassifiziert werden in Bezug auf eine sinnliche Vernunft, performative Vernunft und begriffliche Vernunft. Eine kritische Erkenntnistheorie der Architektur gründet also in der Ästhetik (Vernunft in den Sinnen), Anthropologie (Vernunft des Performativen) und in der Erkenntnistheorie (begriffliche Vernunft).

3 Veröffentlichungen Die Forschung des Fachgebiets Architekturtheorie zielt auf die Systematisierung des Wissens der Architektur. In diesem Hinblick sind in den letzten Jahren eine Vielzahl von wissenschaftlichen Aufsätzen und Zeitschriftenartikel zu unterschiedlichen Themen entstanden: Das digital Erhabene, Wahrnehmung, Holocaust Memorials, Brutalismus, Theorie der Geschichte, Theorie der Avantgarde, Theorie des Entwerfens, phänomenologische Semiotik, Traumatisierung durch Modernisierung in Japans Nachkriegsarchitektur, Theorie des Ornaments etc.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt jedoch in der Publikation einer dreibändigen Buchreihe, die prägnant, umfassend und systematisch eine Einführung in die kritische Erkenntnistheorie der Architektur bieten wird. In Vorbereitung sind unter anderen folgende Publikationen:

Architekturtheorie. Grundlagen. Traditionelle Theorie – Kritische Theorie – Kritische Erkenntnistheorie in 3 Bänden, Berlin: DOM Publishers. Band 1: Traditionelle Theorie der Architektur 1863-1938 (erscheint 2018); Band 2: Kritische Theorie der Architektur 1940-1990 (geplant für 2022); Band 3: Kritische Erkenntnistheorie der Architektur 1992-2017 (geplant für 2024)

Grundbegriffe der Architekturtheorie. Zur Einführung Dieses Buch wird die Grundbegriffe der Architekturtheorie vorstellen als Grundlage einer Kritischen Erkenntnistheorie der Architektur.

Download des gesamten Textes als PDF (PDF, 71,4 KB) 

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